Der Verein der Freunde und Förderer des Instituts für Politikwissenschaft an der Universität Leipzig e.V.

Seit dem Sommersemester 2003 kostet die Printausgabe des
kommentierten Vorlesungsverzeichnis am Institut für
Politikwissenschaft drei Euro. Seitdem ist viel diskutiert und gestritten und auch böses Blut in Form blanker Wut vergossen worden. Kein anderes Thema polarisierte die Fachschaft damals so sehr wie die als unverschämt empfundene Erhöhung des Verkaufspreises um das dreifache. Mehr schlecht als recht bemühte sich der am Institut ansässige Förderverein, in dessen Namen die Printausgabe herausgegeben wird, um Schadensbegrenzung. Erst Wochen später rang sich der Förderverein zu einer Erklärung durch und bat um Verständnis. Verständnis für die – zumindest zum damaligen Zeitpunkt – existenzbedrohende Finanzlage des Vereins. Nun droht neues Ungemach.
Mittlerweile sind zwei Semester vergangen. Zwei Semester, in
denen das kommentierte Vorlesungsverzeichnis für drei Euro
verkauft wurde. Doch was hat sich seitdem getan? Wie steht es um den Förderverein, wie um die immer noch schwelende
Diskussion der „Abzocke“ bezüglich des Verkaufspreises des
KVV? Nicht nur ich bemerke, dass der Förderverein zur Zeit
immer noch erhebliche Legitimationsdefizite unter den
Studierenden aufweist. Doch darum soll es hier höchstens
zweitrangig gehen, denn der Grund für die fehlende Anerkennung unter den Mitgliedern des Instituts erschließt sich für mich zum Teil eindeutig aus dem Mangel an Information und Kommunikation – vor allem nach außen. Das Probleme sind noch nicht vom Tisch – noch längst nicht.

Denn was den Verkauf des kommentierten Vorlesungsverzeichnis angeht, droht nun neues Ungemach. Der Förderverein fungiert als Herausgeber des KVV, er erhebt und nimmt den derzeitigen Betrag von drei Euro pro Exemplar. Doch was dem außen Stehenden auf dem ersten Blick gar nicht auffällt: produziert wird das KVV von studentischen Hilfskräften, die eigens dazu einen Vertrag mit dem Institut haben. Verkauft und abgerechnet wird da so produzierte Vorlesungsverzeichnis dann von der Sekretärin im Institutssekretariat bzw. derzeitig ebenfalls von einer studentischen Hilfskraft.

Wer diesen Fakten konsequent zum Ende folgt, kommt auf eine erstaunliche Tatsache: Dem Förderverein entstehen bei der Produktion des Vorlesungsverzeichnis objektiv keine Kosten, jedoch erhält er die volle Summe der Einnahmen! Der Freistaat Sachsen subventioniert so unwissend einen eingetragenen Verein, einen von vielen tausend förderungswürdigen Vereinen, die dagegen wohl kaum die selben Bedingungen vorfinden dürften wie der Förderverein Politikwissenschaft e.V. an der Universität Leipzig!

Gerade in Zeiten knapp gewordener Haushaltsmittel und zunehmender Verteilungskämpfe stellt sich mir die Frage wie das Institut diesen Tatbestand gegenüber seinen Studierenden verantworten möchte, zumal die finanziellen Probleme des
Fördervereins nun eigentlich gelöst sein müssten. Aber halt, das weiß ja niemand, denn schließlich wurde seit Herrn Fenners „Verständnisbrief“ im letzten Sommersemester nichts mehr nach außen kommuniziert.

Wäre denn der Förderverein jetzt nach zwei bilanzwirksamen Semestern in der Lage den Preis für das gedruckte kommentierte Vorlesungsverzeichnis zu senken? Und überhaupt: Warum wird denn die Online-Version des KVV regelmäßig erst in der ersten oder auch zweiten Vorlesungswoche eines Semesters veröffentlicht? Warum droht der Förderverein einer anderen Fachschaft mit rechtlichen Schritten? Wegen der Verletzung seines Urheberrechts?

Mag das Monopol über die gedruckte Ausgabe des kommentierten Vorlesungsverzeichnis eine legitime Finanzierungsquelle für den Verein sein, bleibt doch immer noch fragwürdig, ob die derzeitige Beteiligung des Instituts an der Entstehung des KVV nicht gegen geltendes Recht verstößt und indirekten Subventionen öffentlicher Gelder in einen privaten Verein gleichkommt, mit dem großen Unterschied, dass der Förderverein trotz dieser Subventionen (immer noch?) nicht in der Lage ist, den Preis von einem oder zwei Euro für ein gedrucktes Exemplar des Vorlesungsverzeichnis zu halten.

So wirken die Dutzenden von anderen Belastungen am Institut
(unbefriedigende Besetzung des Institutssekretariats, Halbtagsstelle im Prüfungsamt, unzureichende Hiwi-Abdeckung) für mich nur noch wie Hohn. Ich frage mich, ob die personelle Verquickung von Förderverein und Institut nun unlängst nicht auch zu einem finanziellen und undurchschaubaren Netzwerk geworden ist. Gerade seit der Diskussion um den stetig wachsenden bürokratischen Verwaltungsapparat weiß man doch, dass so genannte vertikale Fachbruderschaften zu Intransparenz neigen.

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