Die überstrapazierte Behauptung von der Rastlosigkeit

Wie kann es sein, dass alle Welt im Stress ist. Jeder. Keine Ausnahmen. Meine Mutter, meine Freunde, meine Kolleginnen. Selbst die Weihnachtsmails, die ich unter all dem Stress erhalte, sagen mir, dass ich mich vom Stress
erholen soll. Ich bin nicht gestresst, und möchte dieses Wort zum Unwort des Jahres deklarieren.
Ich stehe morgens auf, mache verschiedene Dinge und gehe abends schlafen. Zwischendurch esse ich in Ruhe, und ich koche mir was Leckeres.
Alles stressfrei.

Aber was ist denn Stress? Heißt Stress denn, dass ich viel zu tun habe, dass ich ausgefüllte Tage mit wunderbaren Abenteuern erlebe? Dann bin ich doch super hip und bin voll im Trend. Doch gleichzeitig sind Menschen, die noch Zeit finden eine Tasse Tee mit einander zu trinken, absolut uncool. Oder eben neudeutsch: arbeitslos. Und die Menschen, die eben Arbeit haben, die müssen auch alles dafür tun, um der Gesellschaft zu zeigen, wie sehr wir unseren Arbeitsplatz verdienen.

Hilfe.

Ich dachte Momo hat gegen die Grauen Männer schon gesiegt. Wir verkaufen doch unsere Stundenblumen nicht mehr, seit dem Michael Ende durch Meister Hora die Zeit angehalten hat. Ist euch nicht auch ganz schummrig geworden, als Geschichtenerzähler Gigi nicht mehr Zeit für seine kleine Freundin hatte?

Anscheinend nicht. Anscheinend kommen die Grauen Herren immer wieder. Wir sagen immer wieder mit voller Freude „Hallo“, wenn es darum geht Gutes zu verlieren. Zeit kann man nur verlieren. Sie ist nie da, und auch schon
wieder weg. Man kann sie nie haben. Man muss sich ihr immer wieder bemächtigen.

Was ist denn Stress eigentlich? Woher kommt dieses fürchterliche Wort? Im Englischen bedeutet „to stress“ etwas betonen. Oder eben auch belasten und überlasten.

Ich halte das Wort Stress totally to be stressed, und damit gehört es abgeschafft.

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