Grundlegung eines militärischen Kleinkriegsverband – Perzeptionen der Gegenwart

Guerrillias never win wars, but their adversaries often lose them. – Wie Scott Wimberley, Autor des in den Vereinigten Staaten erschienenen Buches „Special Forces Guerrilla Warfare Manual“, behauptet, gewinnen militärische Kleinkriegsverbände Kriege zwar nicht, ihre Gegner verlieren diese jedoch oft. Und tatsächlich scheinen auch viele aktuelle Ereignisse im Irak der Charakteristik eines Partisanenkrieges zu entsprechen. Eine Mischung aus terroristischen Angriffen auf zivile Einrichtungen und partisanische Überfälle auf Konvois und Patrouillen der Besatzungsmacht haben die USA anderthalb Jahre nach dem erklärten Ende größerer Kampfhandlungen im Irak mehr tote G.I.s gekostet, als der ganze Irak-Krieg selbst.
1. Einleitung
Wimberleys Handbuch über partisanische Kriegsführung („for academic study only“) basiert auf seinen Erfahrungen während der Zeit des Vietnamkrieges, in der er Mitglied einer Spezialeinheit der U.S. Army, den Special Forces, war. Der ursprüngliche Auftrag der noch heute existierenden Abteilung der U.S. Army ist die Organisation, Ausstattung und Ausbildung von unter tyrannischen Regierungen leidenden Bevölkerungen, vor allem auf dem Gebiet partisanischer Kriegsführung.
Eine vorläufige Bestätigung für die Behauptung Wimberleys findet sich im europäischen Gegenstück zu seinem Werk, welches nicht nur unter deutschsprachigen Militärkreisen eine gewisse Anerkennung gefunden hat. In seiner mittlerweile in der 6. Auflage erschienenen Monographie Der totale Widerstand – Kleinkriegsanleitung für jedermann beschreibt Major Hans von Dach für den Fall, „dass die Schweiz zum Kleinkrieg gezwungen werden könnte“, detailliert Aufbau und Führung militärischer Kleinkriegsverbände und ziviler Widerstandsbewegungen.[1] Nicht nur für von Dach erscheint die Möglichkeit, dass die Schweiz einen solchen Kleinkrieg „durch Ausharren gewinnen“ könnte, realistisch.Und tatsächlich scheinen auch viele aktuelle Ereignisse im Irak der Charakteristik eines Partisanenkrieges zu entsprechen. Eine Mischung aus terroristischen Angriffen auf zivile Einrichtungen und partisanische Überfälle auf Konvois und Patrouillen der Besatzungsmacht haben die USA anderthalb Jahre nach dem erklärten Ende größerer Kampfhandlungen im Irak mehr tote G.I.s gekostet, als der ganze Irak-Krieg selbst.[2] Der eigentliche Feldzug im Irak dauerte nach neuesten Erkenntnissen im wesentlichen nur zwei Wochen.[3] Die kleinkriegsartigen Angriffe und Überfälle auf die US-amerikanische Besatzungsmacht im Irak dauern nun schon seit anderthalb Jahren und ein Ende scheint zumindest bis heute nicht absehbar.

Was aber zeichnet nun den Partisan und sein Krieg aus? Gibt es „den Partisan“ überhaupt? Zeugen nicht zuletzt die vielen Bezeichnungen und Umschreibungen für die Erscheinungsform des Partisanen von einem nur schwer fassbarem Phänomen? Partisan, Parteigänger, Guerilla, Waldläufer – Carl Schmitt, Ernst Jünger, Rolf Schroers, Mao Tse-tung und Che Guevara. Viele Theoretiker und Praktiker haben den Partisan im letzten Jahrhundert als Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung wieder entdeckt. Denn – und dies gilt es festzuhalten – der Partisan und sein Krieg ist keinesfalls eine Entdeckung des 20. Jahrhunderts. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts taucht der Begriff des Partisanen- bzw. Parteigängerkrieges als Synonym des Kleinen Krieges in französischen Militärinstruktionen auf (Münkler, 2003: 174). Was aber unterscheidet den Partisan vom Terroristen, welcher in den letzten Jahrzehnten verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt ist und Münkler in seinem Vorwort zum Sammelband Partisan – Theorie, Strategie, Gestalt zu der Vermutung veranlasst hat, „dass der Partisan in Nordamerika und Westeuropa nur noch in der Gestalt des Terroristen zur Erscheinung kommen kann“ (Münkler, 1990: 10)?

Im folgenden soll nun versucht werden, ein grundlegendes Verständnis „des Partisanen“ herauszuarbeiten. Dabei soll, beginnend mit einer Annäherung an den Begriff, Gestalt und Identität des Partisanen geklärt werden. Im Zuge dieser Annäherung ist auch auf den politischen Charakter des Partisanen einzugehen, die ihn im eigentlichen Sinne zum Parteigänger macht. Anschließend daran soll die Art seiner Kriegsführung und kurz dessen Legitimität im völkerrechtlichen Sinne untersucht werden. Eine Gegenüberstellung des Partisanen mit der Erscheinungsform des Terroristen soll die Arbeit abrunden.2. Annäherung an den Begriff
2.1 Begriffsgeschichtliche Perzeption

Nach Sichtung der relevanten Literatur fällt auf, dass besonders zwei Begriffe bei der Beschreibung der Erscheinungsformen des Partisanen miteinander konkurrieren. Sowohl »Partisan« als auch »Guerilla« werden häufig synonym verwendet. Nach einer kurzen Stichprobeneingabe bei der Suchmaschine Google ergab sich folgende nominelle Verteilung der beiden Begriffe für den englisch- und deutschsprachigen Raum:

 

Zwar ist der Begriff des Partisanen der historisch ältere Ausdruck, aber anscheinend ist dieser heute durch den Begriff »Guerilla«, das spanischen Wort für Kleinkrieg, in dessen vormals sprachbeherrschender Stellung verdrängt wurden. Nach einer These von Gerhard Schulz legt der Ausdruck »partisan« „mehr Nachruck auf den einzelnen – oder wenige einzelne – Kämpfer, der etwas später in Spanien entstandene Begriff »guerrilla« hingegen auf die geschlossene Bande und die Form des Bandenkrieges.“ (Schulz, 1985: 10). Trotz dieses begriffsgeschichtlichen Unterschiedes scheint die kurze empirische Untersuchung der Feststellung Schulz, wonach heutzutage kein besonderes Erfordernis mehr für eine definitorische Abgrenzung zwischen Partisan und Guerilla gegeben sei und beide Ausdrücke mittlerweile weithin synonym verwendet werden, indirekt Recht zu geben (ibd.). Deshalb und weil die im wesentliche relevante herangezogene (deutsche) Literatur weitgehend mit dem Begriff des Partisanen arbeitet, werde ich im folgenden diesen ebenso verwenden.

2.2 Gestalt und Identität des Partisanen
Der Versuch eine Definition des Partisanen zu erarbeiten gestaltet sich zunächst schwierig, da dieser in all seinen Erscheinungsformen nur schwer verortet werden kann. Die Tendenz des Partisanen sich seiner Umgebung bis zur Unterschiedslosigkeit anzupassen, lassen die Grenzen von Kombattant und Nicht-Kombattant schnell verschwimmen und werfen das Problem der Identifizierbarkeit von Partisanen und Nicht-Partisanen auf (vgl. Münkler, 1990: 7). Ja fast könnte man behaupten, der Partisan lasse sich – ebenso wie die von Ernst Forsthoff untersuchte Verwaltung – nicht definieren, sondern nur beschreiben. In diesem Sinne haben auch die meisten politikwissenschaftlichen Studien zu diesem Thema damit angefangen, den Partisanen durch Abgrenzung zu anderen Akteuren im weiten Bereich der Möglichkeiten gewaltsamer Konfliktaustragung fassbar zu machen. Dabei fällt auf, dass die Erscheinungsform des Partisanen stets zwischen den zwei äußersten Polen der Möglichkeiten gewaltsamer Konfliktaustragung im 20. Jahrhundert lokalisiert wird. So befände sich die Identität des Partisanen zwischen der Regularität des Soldaten und der Irregularität des Terroristen, wobei bei Münkler sich die Regularität in einer symmetrischen Kriegsführung nach dem Modell zwischenstaatlicher Kriege und die Irregularität in einer völligen Regellosigkeit und keinerlei Begrenzung der Gewalt in Übereinkunft mit dem Gegner (asymmetrische Kriegsführung) ausdrückt (Münkler, 2003: 173f). Auch Schmitt, der die Erscheinungsform des Terroristen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seiner Festschrift Theorie des Partisanen – Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen (1962) wohl noch nicht in seiner gegenwärtigen Perzeption kannte, grenzt den Partisanen zunächst vom „Piraten des Seekriegsrecht“ und vom regulären Charakter uniformierter Soldaten ab (Schmitt, 2002: 21).
Mag diese begriffliche Eingrenzung methodisch unbefriedigend sein, weil so der Partisan letztendlich (fast) alles und (fast) nichts sein kann und eine Grenzziehung wohl nur im konkreten Einzelfall erfolgen kann (man denke beispielsweise an die beinahe täglichen Überfälle auf die amerikanische Besatzungsmacht im Irak und die Frage ob diese nun eher terroristischen oder partisanischen Charakter haben), bleibt sie bis jetzt jedoch ohne relevante Alternative, da eine originäre Definition des »Partisanen« zwangsläufig dessen chamäleonartigen Charakter abgrenzen müsste, was in allem anderen, aber nicht in einer Definition des Partisanen mündet. Die Erkenntnis also, dass es den Idealtyp des Partisanen neben dem vom Terroristen und Soldaten nicht gibt, lässt den Schluss zu, dass es sich bei eben diesem um eine transitorische Gestalt handelt, die den Übergang vom Terroristen zum Soldaten bzw. vom Soldaten zum Terroristen markiert (vgl. Münkler, 2003: 176).

So gesehen ist es durchaus einleuchtend, dass der Erscheinungsform des Partisanen anstatt einer Definition eher ein bestimmtes Merkmalsbündel zugeschrieben wird. Folgt man der Beschreibung von Schmitt, die auch in der Gegenwart ihre Daseinsberechtigung im wesentlichen nicht verloren hat, dann kennzeichnen den Partisanen vor allem vier Merkmale:

Irregularität
Der Partisan sei ein irregulärer Kämpfer. Schmitt macht die Regularität an der Uniform des (Berufs-)Soldaten und dessen Bedarf die Waffen offen zu tragen fest (vgl. Schmitt, 2002: 21). Er lässt damit (wohlweislich) offen was Irregularität sein kann und ob diese sich auf sein Auftreten, seine Kampfhandlungen oder auch auf beides bezieht. Denn prinzipiell wäre es auch hier vorstellbar, dass der „moderne Partisan“ der Gegenwart sich in seinem äußeren Erscheinungsbild mehr und mehr der Regularität (und Professionalität) des Berufssoldaten im Schmitt’schen Sinne angenähert hat[4], genauso wie es vorstellbar wäre, dass er sich in einigen Konfliktherden der Welt der vollkommenen Irregularität hingegeben hat. Beide Tendenzen sind derzeit zu beobachten und lassen die Frage aufkommen, ob es die Gestalt des Partisanen überhaupt noch gibt.[5]

Politisierung
Von anderen Kämpfern unterscheide sich der Partisan durch sein politisches Engagement. Der Hinweis auf die Bindung an eine „irgendwie kämpfende, kriegführende oder politisch tätige Partei“ drückt sich auch in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs »Partisan«, Parteigänger, aus (ibd.). In ihrer Theorie des Partisanenkrieges gehen Mao Tse-Tung und Che Guevara sogar noch weiter und machen in der Gestalt des Partisanen eine Erscheinungsform des Revolutionärs aus, der in einer Phase des Übergangs (bewaffnet) auf eine revolutionäre Veränderung hinwirkt. Jedoch scheint es kurzsichtig den Partisan und sein Krieg heute noch als bloßes Instrument der Revolution aufzufassen, zumal die Ereignisse in den letzten zwei Jahrzehnten auf die Auflösung eben dieser Verbindung von Partisan und Revolutionär hindeuten. Der Partisan kämpft nun wieder gegen die Ideale einer an sozialer und politischer Modernisierung orientierten Revolution (vgl. Münkler, 2003: 179). In diese Kategorie lassen sich wohl auch die in der Einleitung beobachteten Kämpfe einer Art „Stadtguerilla“ gegen die Besatzungsmächte in Afghanistan und im Irak einordnen.
Der nicht nur religiös geprägte muslimische Widerstand gegen den Einmarsch fremder Mächte in Afghanistan und zuletzt im Irak lässt den Partisanen – wie Münkler richtig bemerkt hat – ebenso eine Erscheinungsform des Konterrevolutionärs und Verteidiger der Tradition sein, wie ihn Mao Tse-tung und Che Guevara zum Wegbereiter der Revolution machen (ibd.: 178). Ihr gemeinsam verbindendes Element – der Partisanenkrieg – soll in einem der folgenden Kapitel näher beleuchtet werden.

Mobilität vs. „tellurischer Charakter“
Wie wir später noch feststellen werden, ist eine der Grundlagen des Partisanenkrieges ein höchstmögliches Maß an Mobilität und Flexibilität im Kampf. Je nach Umgebung in der er kämpft, muss der Partisan – will er nicht vorzeitig entdeckt werden – innerhalb kürzester Zeit seine Stellung wechseln können. Denn ob Stadt oder Land, der Partisan kennt seine Umgebung stets besser als sein Gegner und muss deshalb darauf bedacht sein, seinen Vorteil im schnellen Angriff und im schnellen Rückzug zu suchen. Einen Stellungskrieg mit Truppen einer bürokratisch organisierten Armee kann und darf er sich nicht leisten – er würde ihn verlieren.
Nun hat die technische Entwicklung im letzten Jahrhundert eine nie da gewesene Motorisierung breiter Bevölkerungsschichten ermöglicht und wiederholt die Frage aufgeworfen, ob der Partisan durch diesen Gewinn an gesteigerter Mobilität („Geschwindigkeit als Waffe“) nicht in Gefahr gerät, räumlich entortet zu werden (vgl. Münkler, 1990: 10).[6] Denn Schmitt, der dieses Spannungsverhältnis erkannte, hat auch dies als ein Merkmal des Partisanen aufgestellt: die Verbindung des Partisanen zu Raum und Umgebung. Schmitt nennt es den tellurisch-terranen Charakter des Partisanen und meint damit mehr als die bloße Anbindung oder Begrenzung des Partisanen an einen geografischen Raum. Es ist zugleich eine irgendwie auch immer geartete Verbundenheit mit der eingesessenen Bevölkerung dessen Unterstützung er (zunächst) sucht. Aus dem tellurischen Charakter des Partisanen ergibt sich sogleich eine Beschränkung seiner Feindschaft. Die offensive Vorgehensweise partisanischer Überfälle (Handstreiche etc.) besteht immer nur vor dem Hintergrund einer grundsätzlich defensiven Ausgangsposition, die er trotz seiner gesteigerten Mobilität nie verlässt. Interessanterweise ist jedoch der tellurische Charakter für Schmitt kein konstituierendes Charakteristikum des Partisanen – er spricht diesem nicht die partisanische Gestalt ab sollte dieser fehlen (vgl. Schmitt, 2002: 26 ff.).

3. Der Krieg des Partisanen
3.1 Grundlegung

Die Kriege des Partisanen haben ihren Ursprung in der Kriegsführung der absolutistischen Heere des 18. und 19. Jahrhunderts. Hier ist vor allem auf die bereits hingewiesene (ältere) spanische Bezeichnung des Partisanenkrieges als Guerilla (Kleinkrieg) Bezug zu nehmen. Der Kleinkrieg war schon zu jener Zeit eine Begleiterscheinung des großen, von regulären Truppen einer bürokratisch organisierten Armee geführten Krieges. Während jener kontinentaleuropäisch geprägte Staatenkrieg wie er sich nach dem Dreißigjährigen Krieg in Europa herausgebildet hat und wie ihn Clausewitz Anfang des 19. Jahrhunderts in seinem Werk Vom Kriege beschrieb auf große, schwerfällige Heere verließ, die auch im Gefecht diszipliniert nach Exerzierreglement schossen, kennzeichnete den Kleinen Krieg von Anfang an das Gegenteil. Er fand meist abseits der regulären Gefechte statt und war ganz und gar geprägt von der Irregularität der kämpfenden Einheiten. Weder hielten diese sich an ein Exerzierreglement und erst recht nicht suchten sie ihren Gegner in der offenen Schlacht. Stattdessen bewegten sie sich in unübersichtlichem Gelände und nutzten den Vorteil, der sich aus schnellem Angriff und schnellem Rückzug ergab. Wo der Krieg als Kleinkrieg geführt wurde, mündete die Irregularität meist auch in Brutalität und Grausamkeit (Münkler, 2003: 186).

Einer solchen Taktik folgt auch der Partisanenkrieg des 20. Jahrhunderts und beantwortet ebenfalls die symmetrische Kriegsführung des zu bekämpfenden Gegners mit Strategien der Asymmetrisierung. Diesem Konzept zu Grunde liegt die räumliche und zeitliche Entgrenzung des Kampfgeschehens. Wo der große Krieg die Entscheidung an einer Front zu einer bestimmten Zeit sucht, verweigert sich der Krieg des Partisanen genau dieser Strategie. Nicht ohne Grund: Denn den oft zahlenmäßig und waffentechnisch unterlegenen Partisanen bleibt schließlich objektiv betrachtet nur die Möglichkeit, ihre materielle Unterlegenheit durch die kriegsverwendungsfähige Nutzbarmachung der Ressourcen Raum und Zeit auszugleichen (vgl. Münkler, 2003: 188). Eine solche defensive Strategie bringt es mit sich, dass der Krieg des Partisanen auf herkömmliche Weise (durch „Eroberungen“ bzw. Niederschlagung der feindlichen Armee) so gut wie nicht gewonnen werden kann. So wird durch die Besetzung des Raumes und unter Ausnutzung der Zeit, die für den Partisanen arbeitet, stattdessen versucht, verhältnismäßig große Truppenteile des Feindes an ein weiträumiges Gebiet zu binden, welches wiederum von nur wenigen Partisanen „kontrolliert“ wird, oder – um mit Münkler zu sprechen – : „Dadurch erhöht man die Kosten, die der Gegner für die Aufrechterhaltung seines (politischen) Willens zu entrichten hat, und hofft, ihn so zum Einlenken zu bewegen.“ (Münkler, 2002: 65).
Partisanenbekämpfung: „Erheblicher Menscheneinsatz (Infanterie!) ist unumgänglich nötig. Hier liegt einer der Hauptgründe, warum hochstehende, stark technisierte Armeen, bei denen der Anteil an Infanterie nur noch klein ist, solche Mühe haben, Kleinkriegsaktionen zu dämpfen“ (von Dach, 1997: 222)

Im Gegensatz dazu steht das auf Mao Tse-tung zurückgehende und historisch ältere strategische Ziel des Partisanenkrieges, die Partisanentruppen im Laufe des von ihnen zunächst defensiv geführten Krieges in reguläre Truppen „umzuwandeln“, die schließlich den Sieg in der Offensive suchen. Die dabei von ihm vorgenommene Einteilung des Partisanenkrieges in drei große Phasen hat sich bis heute weitestgehend gehalten. Demnach führt der Partisan in der Phase der strategischen Defensive den oben beschriebenen Krieg mit Mitteln der asymmetrischen Kriegsführung. In dieser und in der Phase des strategischen Gleichgewichts stellt der Partisan für Mao den bewaffneten Revolutionär dar. In der letzten Phase, der strategischen Offensive, gehen die Partisanentruppen in der Folge aus ihrem Abwehrkampf heraus und formen sich zu regulären Soldaten um, die den endgültigen Sieg über ihren nun geschwächten Gegner erringen. Freilich steht dieses vulgär-marxistische Konzept des Partisanenkrieges auf wackligen Füßen, vor allem wenn gefragt werden muss, wie der allzu leichte (chronologisch zwangsläufige?) Übergang von einer Phase zur anderen so ohne weiteres vollzogen werden kann bzw. sich quasi von alleine vollzieht. So erscheint es in der Tat fragwürdig wie der Partisan zu einem (un)bestimmten Zeitpunkt dazu bereit ist, seine bisherige Kampfweise verbunden mit seinem revolutionären Charakter aufzugeben, zugunsten einer wie auch immer gearteten Demobilisierung und geregelten Kampf- bzw. Verhaltensweise (vgl. Münkler, 2003: 177).
Dies ändert jedoch nichts daran, dass auch die US-Army in ihrem taktischen Verständnis vom Partisanenkrieg als Waffe ebenso von einem dreiphasigen Krieg ausgeht: In der ersten Phase werden Vorbereitung, Organisation und einleitende Operationen betrieben. In der zweiten Phase wird die Guerilla-Bewegung in eine konventionelle Streitkraft umgeformt, während schließlich in der dritten Phase „die Guerillas entwaffnet und darauf vorbereitet werden, loyale Mitglieder der Bevölkerung zu sein“.[7] In seinem Special Forces Guerrilla Warfare Manual diskutiert Wimberly drei weitere Phasen (Expansion Phase, Mobilization Phase, Political Consolidation Phase), die jedoch in Wahrheit nur Untergruppen der bisherigen drei Phasen darstellen (vgl. Wimberley, 1997: 10 ff).

Wie wir bereits gesehen haben, wird der Partisanenkrieg seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hauptsächlich als Abwehrkampf geführt und trägt nur noch selten die von Mao karikierten offensiven Züge, die die physische Vernichtung des Gegners zum Ziel haben. So macht es auch durchaus Sinn, zwischen dem militärischen und dem politischen Sieg der Partisanen im Partisanenkrieg zu unterscheiden wie Münkler es getan hat (Münkler, 2003: 190). Mehr noch für den politischen als für den militärischen Sieg benötigt der Partisan dabei die Unterstützung der Bevölkerung. Mit dieser These wird gleichzeitig auch einer der heikelsten Punkte im Partisanenkrieg angesprochen. Denn wo der Partisan nicht auf die Unterstützung der Bevölkerung hoffen kann, greift er oft genug zu gewalttätigen Repressalien gegenüber der ansässigen Bevölkerung. Nicht ohne Grund wird den Partisanen im Beck-Rechtsberater Wehrrecht von A-Z als Ziel ihrer Kampfhandlungen zugeschrieben „[…] mit Waffengewalt Sabotage und Terror zu betreiben […] und die eigenen Landsleute einzuschüchtern“ (Wilk/Stauf, 2003: 260).[8]
Die Politisierung des Partisanen im Krieg macht auch nicht an der Bevölkerung halt. Die Wendung ins Totalitäre wird deutlich, wenn von Dach in seinem Schlusswort in dem für die überrannte schweizerische Bevölkerung gedachten Kleinkriegs-Handbuch mit den Worten schließt: „Nie kapitulieren! – Es ist besser stehend zu sterben, als kniend zu leben!“, bevor er schließlich im Anhang Tipps zu „Ladungsberechnungen“ und „improvisierten Sprengladungen“ gibt (von Dach, 1997: 276). So bleibt festzuhalten, dass wie in vielen Kriegen erst recht im Partisanenkrieg – ganz gleich wie die Rollen verteilt sind – die Bevölkerung stets die größten Opfer zu tragen hat. Denn wo die Vereinnahmung der Bevölkerung durch die reguläre Besatzungsmacht nicht funktioniert, sieht diese sich den Vernichtungsfeldzügen der Armee ausgesetzt. Wo die Vereinnahmung der Bevölkerung durch die Partisanen nicht funktioniert, sieht sie sich dem Terror dieser ausgesetzt. An der Bevölkerung verübte Gräueltaten aus dem Vietnam- oder Afghanistankrieg mögen hier als Beispiele dienen (vgl. Münkler, 2003: 190 f).

Bedingt also die Ideologisierung der Bevölkerung im Partisanenkrieg ein nie da gewesenes Maß an Mobilisierung und Totalisierung ist es geradezu ein Muss nach der Legitimität des Partisanen und dessen Krieg im völkerrechtlichen Sinne zu fragen. Dies soll im nächsten Kapitel geschehen.

3.2 Zur völkerrechtlichen Behandlung
Bei der völkerrechtlichen Bewertung der Handlungen von Partisanen schwankt das Urteil zwischen kriegsrechtlich geschützten und kriminellen Aktionen (Münkler, 2003: 184). Das ältere Völkerrecht ließ sie als „Irreguläre“ schutzlos, die Haager Landkriegordnung vom 18.10.1907 erstreckte unter Einhaltung bestimmter Bedingungen und Verhaltensregeln, wie z.B. Führung eines Partisanenverbandes durch Kommandeure, offenes Tragen der Waffen und Einhaltung der Gesetze und Bräuche im Krieg ihren Schutz auf den der allein zur Durchführung von Kampfhandlungen berechtigten Kombattanten. Angesichts der Bedeutung der Widerstandsbewegungen gegen die deutschen Besetzungen im Zweiten Weltkrieg wurde dann deren Schutz in den Genfer Abkommen von 1949 noch einmal erweitert (Art 4 A. Ziff. 2 III. GA, 43 44 ZP 1). So genießen Partisanen bzw. Guerillakämpfer im Falle ihrer Gefangennahme nun ebenfalls den Status von Kriegsgefangenen sofern sie sich während ihrer Kampfhandlungen an die Gesetze und Bräuche im Krieg gehalten haben. In diesem Zusammenhang ist allerdings der Einsatz terroristischer Kampfmethoden nach wie vor umstritten (Wilk/Stauf, 2003: 260).
So weit, so gut. Jedoch offenbaren sich hier bei genauerem Hinsehen tatsächlich einige Schwierigkeiten, was die Subsumtion dieser Regelungen auf konkrete Beispiele angeht. So hat Schmitt u.a. festgestellt, dass die Erweiterung des Kombattantenstatus auch auf andere Kriegsteilnehmer wie sie im Genfer Abkommen von 1949 vorgenommen wurde, den Partisanenkrieg noch lange nicht per se zum legitimen Mittel für den Partisanen macht. Vielmehr schwebt der Partisan, der zu den Waffen gegriffen hat, auch weiterhin in einer rechtlichen Grauzone – oder wie lässt sich sonst erklären, dass eine Besatzungsmacht zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Unterdrückung irregulärer Kampfhandlungen in dem von ihr militärisch besetzten Gebiet auch weiterhin das Recht hat, die örtlichen bewaffneten Organe zur Verfolgung eben dieser anzuweisen (Schmitt, 2002: 30)? Rechtlich geschützter Partisanenkampf und rechtliche geschützte Partisanenbekämpfung kollidieren hier zum Teil in einem nur schwer lösbaren Dilemmata miteinander. Denn sind die als rechtmäßige Kombattanten anerkannten Partisanen, die einen für ihre Untergebenen verantwortliche Person an ihrer Spitze haben, ein bleibendes und von weitem erkennbares Unterscheidungszeichen führen, die Waffen offen tragen und bei ihren Kriegshandlungen die Gesetze und Gebräuche des Krieges einhalten überhaupt noch Partisanen im eigentlichen Sinne? Es geht sogar noch weiter: „Eine Armbinde, die nur übergestreift und jederzeit wieder entfernt werden kann, ist keine bleibende Kennzeichnung. Ebenso wenig reicht aus, wenn sich Personen tagsüber das Aussehen friedlicher Einwohner geben und sich nachts in Uniform an Kampfhandlungen beteiligen.“[9]
Wenig abstrakter kann man fragen, was denn im (militärisch-industriellen) Zeitalter der Gegenwart schon das Erfordernis eines von weitem erkennbaren Unterscheidungszeichen bedeute? Die Uniform oder Waffe des Heckenschützen auf dem Dach sieht genauso wenig jemand, wie die Uniform bzw. Waffe des Partisanen in der Nacht. Nun stellen Sie sich die Frage: Kämpft der Partisan, der als Mitglied einer organisierten Widerstandsbewegung den Mitgliedern von Milizen und Freikorps gleichgestellt ist, auf diese Weise die Rechte und Vorrechte des regulären Kombattanten genießt und – meinetwegen – „für die gerechte Sache kämpft“ in diesen Fällen nun immer noch legal (vgl. Schmitt, 2002: 31)? Höchstwahrscheinlich nicht. So wird das Risiko als sog. Freischärler den Anspruch auf den Status eines Kriegsgefangenen verwehrt zu bekommen, dennoch auf den Partisanen abgewälzt, obwohl doch gerade für diese Widerstandsbewegungen mit den Genfer Abkommen von 1949 eine größere Rechtssicherheit durch prinzipielle Anerkennung dieser als rechtmäßige Kombattanten angestrebt wurde. Jürgen Schmid hat für diesen uneindeutigen Rechtszustand in seinem Betrag Die völkerrechtliche Stellung des Partisanen im Kriege die Begriffskonstruktion „riskant-legal“ geprägt: Der Partisan handle im eigentlichen Sinne „nicht-illegal“ aber riskant, wobei nur sicher ist, dass bestimmte Gräueltaten des Partisanenkampf und der Partisanenbekämpfung (z. B. Kollektivstrafen, Völkermord etc.) als Kriegsverbrechen gelten – ohne die Daseinsberechtigung des Partisanen in Frage zu stellen (Schmitt, 2002: 36 f). Hier offenbaren sich also die Grenzen eines Völkerrechts, dass in seinem letzten großen Änderungsakt von 1949 versucht den neuen Tendenzen in nationaler und internationaler Kriegsführung gerecht zu werden, dabei aber an der traditionellen Vorstellung von Krieg – als ein von Staaten geführter und auch von Staaten begonnener und beendeter Krieg – weiterhin festhält. So steht die Achtung des internationalen (Kriegs-) Völkerrecht vor einer Zerreißprobe: Indem es der weltweit zu beobachtenden Asymmetrisierung des Krieges, in der die Grenzen von Freund und Feind, Militär und Zivilist oder gar Krieg und Frieden verschwimmen, nur unzureichend gerecht wird, läuft es Gefahr in der internationalen Völkergemeinschaft an Anerkennung zu verlieren, steht aber gleichzeitig vor dem Problem diese Asymmetrisierung in anwendbares Recht zu kodifizieren, das rechtsstaatlichen Prinzipien von Recht und Gesetz hinreichend gerecht wird.[10]

4. Zur Unterscheidbarkeit von Terrorismus und Partisanenkrieg
Bereits eingangs wurde versucht den Terroristen (abstrakt) über das Kriterium der Irregularität vom Partisanen zu differenzieren. Demnach kennzeichnet den Terroristen im Gegensatz zum Partisanen völlige Irregularität im dem Sinne, dass dieser „keinerlei Regeln der bewaffneten Konfliktaustragung anerkennt und keinerlei Begrenzung der Gewalt in Übereinkunft mit dem Gegner akzeptiert“ (Münkler, 2003: 173). Die Hinwendung zu völliger Regellosigkeit der Kriegsführung[11] wird dadurch erst möglich, weil der Terrorist (oder der Partisan der sich dem Terroristen annähert) mit militärischen Mittel sein ihm gesetztes Ziel nicht mehr zu erreichen vermag. Währenddessen wird dem Partisan zwar allgemein ein Regularitätsdefizit zugesprochen, dennoch mündet dies nie einer völligen Irregularität (ibd., S. 173 f). Die Grenze an der dann schließlich die Unterscheidung festgemacht wird, bildet dabei zunächst das äußere Erscheinungsbild von Terroristen und Partisanen. Mit den klassischen vier Bedingungen der Haager Landkriegsordnung für die Gleichstellung mit regulären Truppen (verantwortliche Vorgesetzte, festes sichtbares Zeichen, offenes Tragen der Waffen, Einhaltung der Regeln und Gebräuche des Kriegsrechts) lässt sich in vielen Fällen der Terrorist vom Partisanen unterscheiden. Denn den Terroristen kennzeichnet im allgemeinen keines dieser vier Merkmale. Freilich sind damit noch lange keine Aussagen über die sozialpsychologischen Ursachen der Entstehung von bzw. Hinwendung zum Terrorismus getroffen.
Einen anderen, interessanten Versuch Terrorismus und Partisanenkrieg zu unterscheiden unternimmt Münkler in seinem Aufsatz Guerillakrieg und Terrorismus. Er glaubt entlang der intendierten Folgen der Gewalt den Terrorismus vom Partisanenkrieg strategisch unterscheiden zu können. Demnach gehe es dem Terroristen vor allem um die psychischen Folgen der Gewalt (Schockwirkung auf Bevölkerung, Katalyse der Schockwirkung über Massenmedien, Polarisierung der Gesellschaft), die Regierungen und Gesellschaften mehr oder weniger unter Zugzwang setzen. Der Partisan dagegen setze zunächst auf die physischen Folgen der Gewalt (zerstörte bzw. zerschlagene Objekte und Einheiten des Gegners) (Münkler, 2003: S. 175, Anm. 3). Haben wir also in Kapitel 3.1 festgestellt, dass der Partisanenkrieg eine defensive Form der Asymmetrisierung darstellt, so müssen wir für den Terrorismus konstatieren, dass diesem die offensive Form der strategischen Asymmetrisierung von Gewaltanwendung zu Eigen ist. Denn während der Partisan auf die nachhaltige Unterstützung der Bevölkerung eines bestimmten Gebietes (welches gleichzeitig seinen Aktionsraum darstellt) angewiesen ist, kommt der Terrorist ohne diese Unterstützung aus. Er trägt den Angriff z. T. weit in den Raum des angegriffenen Landes und nutzt dazu dessen zivile Infrastruktur als logistische Basis (Münkler, 2002: 54). Die dabei potenziellen Ziele des terroristischen Angriffs sind aufgrund der eher taktischen Aspekte des Terrorismus als politisch-militärische Strategie in der Regel breit gefächerter als die des Partisanenkrieges. So reicht die Spanne von möglichen Angriffszielen von zivilen Einrichtungen wie Banken und Luftverkehrsmaschinen, militärischen Einrichtungen wie Kasernen und Patrouillen bis hin zu Infrastruktureinrichtungen mit dualuse-Charakter wie Internet (Computerviren) und Postverkehr (Brief- und Paketbomben, Anthraxbriefe).

Schließlich lässt sich noch ein weiterer Unterschied ausmachen: Im Partisanenkrieg versucht der Partisan die ökonomischen Kosten der Besatzung zu erhöhen, indem er den Krieg verlängert. Der Terrorismus jedoch intendiert durch seine Gewaltakte eine Beschleunigung von Provokation und Reaktion auf Seiten des Angegriffenen und hofft diesen so zu überstürzten Handlungen zu verleiten (vgl. Münkler, 2002: 55).

5. Fazit
In der Konklusion dieser Arbeit hat sich herausgestellt: Der Partisan ist und bleibt auch ein schwer fassbares Phänomen – und zwar aus einem ganz einleuchtenden Grund: Die Asymmetrie seiner Kriegsführung bedingt in weiten Teilen gleichzeitig einen Verzicht auf klare Definitionen und Typisierungen. In der Schlussfolgerung muss es also hauptsächlich darum gehen, dass spezifisch neue an der Kriegsführung des Partisanen herauszustellen und auf die Unterschiede zu einer vermeintlich schon immer währenden Symmetrie des Krieges hinzuweisen. Partisanenkrieg und Terrorismus sind durch eine weitreichende Asymmetrisierung der Konfliktaustragung neuartige Mittel der Gewalt zur Kommunikation politischer Interessen. Als politisch-militärische Strategie sind sie die Waffe der militärisch Unterlegenen und Schwachen. Dabei erreichte die Strategie des Partisanenkrieg ihre größte Attraktivität in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts (Münkler, 2003: 254). Die Strategie des Terrorismus dagegen ist eine Entdeckung des letzten Vierteljahrhundert und hat ihre Anziehungskraft für o. g. Gruppen ins neue Jahrhundert übertragen können und den Partisanen und dessen Krieg scheinbar marginalisiert. Deshalb erschien es berechtigt im Laufe der Untersuchung zu fragen, ob es die Gestalt des Partisanen überhaupt noch gibt.
Wie wir aber gesehen haben, unterhält selbst das Militär noch nach Partisanenart kämpfende Spezialeinheiten (kleine Trupps von Soldaten, oft mehrsprachig, z. T. in jeweils landestypischer Kleidung und mit den Waffen des Gegners ausgerüstet), die – trotz vieler Dementi – zuletzt auch im Afghanistankrieg wieder zum Einsatz kamen. Dort wurden sie gegen einen ebenfalls nach Partisanenart kämpfenden Gegner eingesetzt. So offenbart sich uns ein zweiteiliges Bild: Wie Münkler festgestellt hat, kommt der Partisan in Nordamerika, Westeuropa (und neuerdings auch in Teilen Asiens) anscheinend nur noch in der Gestalt des Terroristen zur Erscheinung. In anderen Teilen der Welt scheint es aber durchaus noch Partisanen in dem in Kapitel 2.2 skizzierten Sinne zu geben, die jedoch – und auch das gilt es festzuhalten – nur noch selten die oft skizzierte „revolutionäre Identität“ auszeichnet; immer mehr jedoch die des Parteigängers der Reaktion.
Offenbar wurden auch die Schwächen des Völkerrechts wenn es versucht nach Partisanenart kämpfende Gruppen als „organisierte Widerstandsgruppen“ rechtmäßigen Kombattantenstatus zu verleihen. Diese Regelungen waren wohl nur durch die besonderen Umstände nach dem Ende des zweiten Weltkrieges möglich und sind auf heutige Perzeptionen von Partisanen nicht mehr ohne weiteres übertragbar.

Literaturverzeichnis (alphabetisch gegliedert):

Dach, Hans von, 1997: Der totale Widerstand. Kleinkriegsanleitung für jedermann, 6. Aufl., Zürich: Major von Dach Verlag (bitte die Hinweise in Fußnote 1 zur bundesweiten Beschlagnahme dieses Titels beachten; im Hinblick auf das damit bestehende Verbringungsverbot darf der hier genannte Titel weder verbreitet noch vervielfältigt werden; Titel in der Deutschen Bücherei zu Leipzig verfügbar)

Griffith II, Samuel B., 1961: On Guerilla Warfare/Mao Tse-tung. Translated from the Chinese with an Introduction by Samuel B. Griffith II, 2. Aufl., Champaign: University of Illinois Press.

Münkler, Herfried (Hrsg.), 1990: Der Partisan. Theorie, Strategie, Gestalt, Opladen: Westdeutscher Verlag

Münkler, Herfried, 2002: Die neuen Kriege, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Reinbeck: Rowohlt Verlag.

Münkler, Herfried, 2003: Über den Krieg. Stationen der Kriegsgeschichte im Spiegel ihrer theoretischen Reflexion, 2. Aufl., Weilerswist.: Velbrück Wissenschaft.

N.N., 1997: Rechtsfibel für die Bundeswehr, 8. Aufl., Delitzsch: Unteroffizierschule des Heeres (unveröffentlicht).

N.N., 1961: Field Manual 31-21. Guerrilla Warfare and Special Forces Operations, USA: Department of the Army

Schmitt, Carl, 2002: Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkungen zum Begriff des Politischen, 5. Aufl., Berlin: Duncker & Humblot.

Schulz, Gerhard, 1985: Die Irregulären. Guerrilla, Partisanen und die Wandlungen des Krieges seit dem 18. Jahrhundert. Eine Einführung, in: Gerhard Schulz (Hrsg.) / Bernd Bonewetsch, Partisanen und Volkskrieg. Zur Revolutionierung des Krieges im 20. Jh., Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 9-35

Wilk, Manfred / Stauf, Wolfgang, 2003: Wehrrecht von A-Z, 4. Aufl., München: C.H. Beck.

Wimberley, Scott, 1997: Special Forces Guerilla Warfare Manual, Boulder: Paladin Press.

Abbildungsverzeichnis (nach Reihenfolge der Erscheinung):

Seite 4: Historische Beispiele zur Kriegsdauer in den Ländern Europas während des Zweiten Weltkrieg, Gegenüberstellung mit der Dauer des Kleinkrieges nach der Besetzung; aus: von Dach, 1997: 13, Zürich: Major von Dach Verlag

Seite 6: Nominelle Verteilung der Begriffe »Partisan« und »Guerilla« nach Stichprobeneingabe bei der Suchmaschine www.google.de; eigene Darstellung (August 2004)

Seite 11: Kriegsgeschichtliche Beispiele für den Aufwand an Sicherungskräften in ausgewählten Ländern Europas während des Zweiten Weltkrieges, Gegenüberstellung von Partisanenstärke, Stärke der Sicherungs- und Bekämpfungskräfte und Kriegsdauer; aus: von Dach, 1997: 222, Zürich: Major von Dach Verlag

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[1] Dem Anspruch des schweizerischen Unteroffizierverbandes „die Schrift der Öffentlichkeit zu übergeben“, verdankt das Werk auch seine Beschlagnahme in der Bundesrepublik Deutschland. Denn der Autor hat es nicht dabei belassen sich eher allgemein-theoretisch mit dem Thema zu beschäftigen, sondern hat sich in seinem Werk – ganz im Sinne eines militärischen Ausbildungsauftrag – vor allem mit der Praxis des Partisanenkrieges (u.a. Sabotage und Sprengtechnik) befasst. So enthält das Buch detaillierte Anleitungen für die Begehung schwerwiegender Delikte im Sinne von § 126 I Nr. 2, 6 und 7 StGB (Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten) und verstößt daher gegen § 130 a StGB (Anleitung zu Straftaten). Die Bezugnahme auf diesen Titel im Rahmen dieser Arbeit erfolgt ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken und ist für Forschung bzw. Lehre bestimmt.

[2] Bis zum erklärten Ende größerer Kampfhandlungen am 1. Mai 2003 sind nach Angaben des US-amerikanischen Verteidigungsministerium 138 US-Amerikaner gefallen. Mit Stand vom 21. Juli 2004 – also fast anderthalb Jahre nach Ende des ursprünglichen Feldzuges – haben um die 900 US-Amerikaner im Irak ihr Leben gelassen (siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg#Tote). Es ist zu befürchten, dass die Zahl in Zukunft weiter ansteigen wird.

[3] vgl. Technology Review: http://www.heise.de/tr/aktuell/meldung/49670/0 („Was das Militär aus dem Irak-Krieg lernen könnte“, Stand: 03.08.04)

[4] Zumindest die US-amerikanische Standard-Uniform bzw. Tarnbekleidung scheint heutzutage, in welchen Teil der Welt man auch schaut, zur Grundausrüstung von Terroristen, Partisanen und Milizen zu gehören.

[5] Unter Umständen könnten sich hier Anhaltspunkte für weitere Untersuchungen ergeben.

[6] Man denke an den Partisanenkampf Che Guevaras, der sich über zwei Kontinente und doppelt so viele Länder erstreckte oder an die „Nutzung“ von zivilen Luftfahrzeugen für den (zugegeben an der Schwelle zum Terrorismus liegenden) Partisanenkampf zur Luft.

[7] United States Army, Field-Manual 31-21 (Guerrilla Warfare and Special Forces Operations)

[8] Wobei man hier anmerken muss, dass Wilk und Stauf – beide ehemalige Regierungsdirektoren im Bundesministerium der Verteidigung – den Partisanen auf eine militärisch-ideologische Perzeption verkürzen (nämlich als illegalen und unbequemen Gegner, der stets nur auf der Seite des „Feindes“ kämpft) und außer Acht lassen, dass dieser je nach Lage und Zeit durchaus mit einer breiten Unterstützung durch die Bevölkerung rechnen kann und unter Umständen sogar den Schutz des humanitären (Kriegs-)Völkerrecht genießt.

[9] N.N, 1997: Rechtsfibel für die Bundeswehr, 8. Aufl., Delitzsch: Unteroffizierschule des Heeres, S. 92

[10] Beispielsweise seien folgende problematische Sachverhalte aufgezählt:
Zur Frage ob völkerrechtswidriger Angriffskrieg oder erlaubte Selbstverteidigung bzgl. der US-amerikanischen Feldzüge in Reaktion auf die Terrorangriffe vom 11. September 2001.
Zur Frage ob „ungesetzlicher Kämpfer“ oder völkerrechtlich geschütztes Mitglied einer organisierten Widerstandsbewegung bzgl. der (Kriegs-)Gefangenen in Guantanmo Bay (Kuba).

[11] Politik und Wissenschaft streiten sich darüber, ob man den Terrorismus mit dem Begriff Krieg in Verbindung bringen darf. Wenn wir jedoch von Strategien asymmetrischer Kriegsführung sprechen (zu denen ich sowohl den Partisanenkrieg als auch den Terrorismus in jeweils unterschiedlichen Schattierungen zurechne) und wenn wir darüber hinaus vom Soldaten sprechen der in den Krieg zieht und vom Partisanen, der gar seinen eigenen (Partisanen-)Krieg führt, dann sehe ich im Moment keine Überschreitung darin, auch den Terrorismus als eine Form des Krieges anzusehen.

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