Kritisch-distanziertes Verhältnis zur Bundespartei

Fachschaftsrat und Stura kennt jeder. Doch neben diesen beiden „Klassikern“ der studentischen Organisationsform gibt es noch andere Möglichkeiten, sich an der Universität zu engagieren. In „powis-engagiert“ stellen wir diese „universitäts- und gesellschaftspolitischen Nischen“ und ihre Aktivist/innen vor: Diesmal die Juso-Hochschulgruppe. Wir sprachen mit dem Vorstandsmitglied Cornelius Lehnguth (24 Jahre alt, powi im 6. Semester):

 

Warum sollten sich powis politisch engagieren?
Besonders Politikwissenschaftler, die durch ihr Studium eine theoretische Grundlage erlangen, sollten die praktische Seite von Politik kennen lernen, und das geht nur über politisches Engagement bei Parteien, Bürgerinitiativen und anderen Organisationen.Der Werturteilstreit ist ja ein altes Thema, wie passt wissenschaftliche Neutralität und eure SPD-Nähe zusammen?
Ob man als powi so wissenschaftlich überhaupt wissenschaftlich neutral arbeitet, entspricht ja auch nicht der Realität. Solange man genug Kritikfähigkeit inne hat, sehe ich hier keinen Widerspruch. Man muss alles kritisch hinterfragen, vor allem was aus der eigenen Partei kommt

Was macht die Juso Hochschulgruppe (JHG) konkret?
Die JHG-Leipzig engagiert sich im wesentlichen in drei Bereichen: Hochschulpolitik als genuines Thema; international; gender. Dazu haben wir einzelne Arbeitskreise, die zu bestimmten Themen inhaltlich arbeiten. Am Ende eines Diskussionsprozesses steht meistens eine öffentliche Veranstaltung auf der Agenda.

Warum sollte man gerade bei euch mitmischen?
Ich denke, die Juso-Hochschulgruppen haben im Gegensatz zu anderen Hochschulgruppen den Vorteil, dass bei uns das gesamte linke Spektrum abgedeckt ist. Wir haben ein sehr pluralistisches Meinungsspektrum. Das lädt zu vielen oft konstruktiven Diskussionen ein.

Und wenn man gar nicht der SPD beitreten will?
Jeder kann bei uns mitmischen, ohne der SPD beizutreten; wir führen ein distanziertes-kritisches Verhältnis zur Bundespartei.

Was kann man bei euch lernen?
Ich weiß nicht, ob man was bei uns lernen kann, wenn dann dies: seine Meinung auch gegen Widerstände zu vertreten, Argumentationsstrategien und natürlich ein paar technische Sachen: Plakate zu layouten, Pressemitteilungen schreiben etc.

Wie positioniert sich die JHG

– zum Hochschulkonsens?
Den Hochschulkonsens lehnen wir ab, da es auf eine nichtdurchdachte Kahlschlagpolitik hinausläuft

– zum Wiederaufbau der Paulinerkirche?
Den Neubau der Paulinerkirche lehnen wir zusammen mit der sächsischen SPD-Landtagsfraktion ab: es kann nicht sein, dass gegen den willen der Universität, gegen den willen der Mehrheit der Leipziger ein Neuaufbau geplant wird. Auch aus ästhetischen Gesichtspunkten mutet solch ein Wiederaufbau nicht gerade mutig an, sondern nur historisierend. der modernen Architektur wird wohl eine neue Konstruktion nicht zugetraut;

– zum Namenstreit GWZ?
Zum Namen des GWZ gab es bei uns noch keine Diskussion, deshalb nur meine persönliche Meinung: ich fände es schön, wenn das GWZ in Bloch-Haus getauft werden würde. Bloch hat bis zum Mauerbau in Leipzig gelehrt, obwohl marxistisch orientiert, war er nie linientreu, sondern hat seinen eigenen Reflexionen mehr Gewicht gegeben, darin könnte er als Vorbild für alle Studenten gelten;

Wie wird die aktuelle Politik Schröders (Agenda 2010 ) bei euch beurteilt?
Da gibt es sicher verschiedene Meinungen, deshalb kann und will ich nicht für unsere Gruppe sprechen, sondern lediglich für mich: soziale Gerechtigkeit findet leider in der Agenda 2010 keinen Eingang, wenn man Sozialkürzungen einführt, muss man auch bei den Reichen schröpfen: das heißt Vermögenssteuer wiedereinführen und eine solide Erbschaftssteuer modifizieren, die nicht dem kleinen Erben, sondern den Großen Geld abnimmt. Damit könnte man zukunftsträchtige Bereiche wie den Bildungssektor sanieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.