„Wir würden es wieder tun!“

Was fängt man mit einem Studium der Politikwissenschaft an? Um diese Frage zu beantworten hatte powiplus am vergangenen Donnerstag vier Absolventen der Uni Leipzig eingeladen, die von ihrem jetzigen Arbeitsplatz und dem Weg dorthin erzählten. Nach der Podiumsdiskussion konnten Studierende im persönlichen Gespräch mit den Gästen weitere Details über deren Tätigkeitsbereich erfahren.
Vier „PoWi“-Absolventen – vier verschiedene Profile – vier unterschiedliche Jobs. Maren Lange, Wissenschaftliche Referentin im Grünen Europabüro Sachsen Anhalt, Klaus Wurpts, Geschäftsführer der Regionenmarketing Mitteldeutschland GmbH, Oliver Pape, Mitarbeiter der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag und Andreas Lange, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften der HU Berlin – sie alle haben an der Universität Leipzig einen Abschluss in Politikwissenschaft gemacht. Ihre jeweiligen – ganz unterschiedlichen – Berufsbezeichnungen lassen bereits erahnen, was für diesen Studiengang kennzeichnend ist: er produziert Generalisten. Es sind weniger die fachlichen oder inhaltlichen Kenntnisse, die Politikwissenschaftler für den Arbeitsmarkt attraktiv machen. Vielmehr qualifizieren sie sich durch Fähigkeiten, die in der Praxis vieler verschiedener Berufsfelder wichtig sind. Dazu zählen etwa das Vermögen, komplexe Themenzusammenhänge erfassen, aufarbeiten und präsentieren zu können, eine gute Auffassungsgabe und Abstraktionsvermögen. Orientierungswissen ist in der Regel wichtiger als Fachwissen.

„Das Generalistentum, das die Sozialwissenschaften hervorbringen, ist eine Qualifikation an sich“, findet Andreas Lange. Maren Lange dagegen würde sich einen größeren Praxisbezug des Studiums wünschen. Sie würde etwa Seminare zum Thema „Political Campaining“ einführen, wie sie sie selbst an der Universität Ohio in den USA besucht hat. Klaus Wurpts rät allen Studierenden vor allem das zu tun, was ihnen Spaß macht. „Man muss klare Ziele haben und hinter dem stehen, was man tut“, sagt er. Nur wer sich selbst etwas zutraue, könne auch selbstsicher auftreten. Dies sei oft der Schlüssel zu einem Job. Wichtig – da waren sich alle Absolventen einig – sei vor allem, neben dem Studium das eigene Profil zu schärfen, etwa durch Praktika, soziales oder politisches Engagement, Sprachkurse und Nebenjobs. „Soziales Kapital“ und „Self-Marketing“ seien essentiell, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Sie warnen die „Generation Praktikum“ aber auch davor, sich ausbeuten zu lassen und als selbstverständlich hinzunehmen, wenn Praktika nicht vergütet werden.

Auslandsaufenthalte seien vor allem für die Persönlichkeitsentwicklung förderlich und ließen sich über die Uni außerdem so einfach realisieren wie später nie mehr. Für einen erfolgreichen Berufseinstieg sei es zwar nicht zwingend notwendig, längere Zeit in einem anderen Land gelebt zu haben, aber ein Auslandsjahr macht sich im Lebenslauf auf jeden Fall immer gut. Andreas Lange brachte dies folgendermaßen auf den Punkt: „Ich habe noch in keiner Stellenanzeige gelesen: ‚Auslandserfahrung nicht erwünscht’.“ Als essentiell betrachteten die Absolventen „Vitamin B“. Man müsse sich Netzwerke aufbauen, persönliche Kontakte seien oft ausschlaggebend. Oliver Pape etwa hat sich nach eigener Aussage „noch nie auf einen Job beworben“. Als er seine Magister-Prüfung ablegte, hatte er seinen Arbeitsplatz bereits sicher. Nur im Werdegang von Maren Lange spielten persönliche Kontakte keine wichtige Rolle. Sie bewarb sich immer wieder und immer wieder und kassierte neben vielen Absagen – die sie in einer Sammelmappe dem Publikum zur Durchsicht reichte – schließlich auch Zusagen, wie die für ihren Arbeitsplatz im Grünen Europabüro Sachsen-Anhalt. Mit ihrem jetzigen Verdienst sind alle Absolventen übrigens sehr zufrieden. Und keiner von ihnen bereut im Nachhinein seine Studienwahl: Alle würden sich wieder für ein Studium der Politikwissenschaft entscheiden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.